| Artikel
Lüneburger Landeszeitung, LZ vom 16.06.03 - © Landeszeitung
Lüneburg
Jetzt erst mal Beine
hochlegen
Scharnebeck. Die letzte von 154 Runden á1500 Meter. Im Hintergrund röhrt "Final Countdown" von Europe durchs Scharnebecker Wohngebiet, der Marburger Sigurd Dutz findet noch die Kraft, ins Publikum zu winken. Der Zielschuss erlöst ihn und siebzig weitere Aktive, die 24 Stunden Laufen in den Knochen haben. Dutz ist Deutscher Meister mit 232,406 absolvierten Kilometern - eine Strecke von Scharnebeck fast bis nach Berlin an einem Tag. Dutz lag am Ende gerade einmal eine Runde vor Gerald Dudacy (Halle), der den Führenden erbarmungslos jagte, danach aber völlig ausgetrocknet war und im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Deutsche Meisterin Barbara Szlachetka aus Hamburg (211,990) hatte unter der Dusche mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, erschien aber zur Siegerehrung wieder putzmunter. Bester heimischer Läufer wurde ein Debütant. Es war der erste 24-Stunden-Lauf für Stefan Schubert vom MTV Amelinghausen - nach 174,852 Kilometern und Platz 14 in der Männerwertung war sich der 41-Jährige relativ sicher, dass es der letzte war: "Der Aufwand ist einfach zu groß, wenn man Beruf und Familie hat." Schuberts Renntaktik ging auf. Er gab Gas, solange die Verhältnisse noch gut waren, gönnte sich nach 100 Kilometern eine Pause fürs Umziehen und eine Massage. Vier Stunden vor Schluss schmerzte die Kniekehle aber zu stark, mehr als Gehen war für Schubert nicht mehr drin - aufgeben wollte er auf keinen Fall. "Jetzt werde ich vier Wochen pausieren und die Beine hochlegen", kündigte der Amelinghausener an. Auch bei seinem Teamkollegen Eckhard Schulz hatte der Lauf seine Spuren hinterlassen: "Die Schuhe sind nicht kaputt - aber diverse Zehennägel. Jetzt habe ich nur noch Sehnsucht nach einem Bier." Scharnebecks Solist Sven Harneit war nach rund 23 Stunden fix und alle, biss aber auf die Zähne. Letztlich reichte es zu Rang 21 (168,472 km). Bei den Damen wurde Margitta Goldbeck (Amelinghausen) Elfte mit 148,536 Kilometern, während ihre Teamkameradin Marion von Schwamen mit Magenproblemen aufgeben musste. Den Staffelwettbewerb gewann Hausbruch-Neugraben wie schon 2001, Silber holte das Gymnasium Scharnebeck nach einem spannenden Duell mit der SV Scharnebeck. "Wir hatten keine Ausfälle, keine Unfälle, keinen Dünnpfiff", meinte SVS-Kapitän Siegfried Ziehe strahlend. Letztlich hatten sich die zwölf Scharnebecker doch gegen Pausen ausgesprochen. Ziehe: "Wenn du einmal liegst, kommst du nicht mehr hoch." Dabei war auch die schnellste Zeitungsausträgerin des Kreises - Marion Herkt bringt auch heute den Scharnebeckern wieder die LZ im Sauseschritt. Die Organisatoren meldeten sonst keine Probleme. "Eine Frau lief barfuß und musste verletzt aufgeben, weil sie in eine Glasscherbe getreten ist", berichtete Pressewart Horst Schwarz, Durchgehalten hat dagegen der 81-jährige Horst Feiler aus Nienburg, der von seinen Betreuern gefeiert wurde: "Junge, du siehst so frisch aus wie nach dem ersten Kilometer."
|
||||||||