Florian Reus (l.) lief 233 Kilometer in 24 Stunden -
das bedeutete des Titel
In der letzten der insgesamt 1440 Minuten bleibt
Florian Reus einfach vor dem Zählerwagen in Scharnebeck stehen, genießt
die überschäumende Stimmung, saugt den Applaus auf und nimmt die
Glückwünsche der Konkurrenz entgegen. 233,146 Kilometer hat der
Würzburger am Ende in den Beinen, ist damit alter und neuer deutscher
Meister im 24-Stunden-Lauf.
"Ich hatte mich wahnsinnig unter Druck gesetzt und
musste durch ein paar Tiefs durch", meint der Sieger, der fast 11,4
Kilometer mehr schaffte als Vizemeister Gerald Dudacy (Hanau), "letztes
Jahr war ich noch völlig locker gelaufen und hab' ganz überraschend
gewonnen." Der Unterfranke rannte die 24 Stunden - abgesehen von der
letzten Minute - durch: "Das musst du, wenn du vorn landen willst. Ich
hab' mir nur ein paar Gehpausen gegönnt."
Diese 24 Stunden von Scharnebeck verlangen Athleten und Helfern wahrlich
alles ab. "Am Sonnabend sind wir nachmittags fast abgesoffen, nachts
ging es dann zum Glück", so Organisator Dietmar Pumm. Ein starker
Schauer setzte Teile der Runde innerhalb weniger Minuten knöcheltief
unter Wasser; Feuerwehr und Helfer mit Schneeschaufeln kämpften gegen
das Nass an, damit die Aktiven nicht nur noch Aqua Jogging betreiben
konnten. "Die haben das alles so toll gemacht und uns die ganze Zeit
über unterstützt", lobt die Amelinghausenerin Marion van Schwamen.
Sonst hätte sie wohl auch nicht durchgehalten: "Ich hatte
Magen-Darm-Probleme, musste bestimmt 30 Mal auf Toilette. Nach 100
Kilometern habe ich mich hingelegt. So einen Lauf mache ich nie, nie
wieder." Sie kam auf 121,778 Kilometer - Siegerin Monika Belau (Harburg)
auf 209,650. Ein Wert, der nur von fünf Männern überboten wurde. Bester
hiesiger Läufer war Andreas Albrecht (Amelinghausen) als Elfter mit
201,884 Kilometern.
Platz2 bei den Staffeln sicherte sich das Gymnasium
Scharnebeck
Platz zwei hinter dem Team Uhlenköper Uelzen belegte
im Rahmenwettbewerb die Staffel des Gymnasiums Scharnebeck, obwohl auch
sie einige Ausfälle zu beklagen hatte. "Wir begannen zu elft,
zwischendurch waren wir nur noch sieben", erzählt Neuntklässlerin Pia
Piecuch, "das Wetter war ja eher erfrischend." Jan Moritz Helms war
zwischenzeitlich "höchstens mal für zehn Minuten eingenickt", doch nach
dem Lauf ist für den Elftklässler noch nicht Ruhe angesagt: "Ich muss
jetzt zum Tanzen."
Gesamtsieger Florian Reus dagegen freut sich auf eine Woche, in der er
erst einmal die Beine hochlegen kann. Es war überhaupt erst der vierte
24-Stunden-Wettkampf des 23-Jährigen, der erst 2002 mit dem Laufen
begann. "Ich bin gleich von 0 auf 100 durchgestartet." Um mal eben einen
Tag und eine Nacht lang durchgehend auf den Beinen zu sein, dazu muss
man doch ein bisschen verrückt sein ? Reus überlegt länger, muss dann
grinsen: "Na ja, wir sind schon ein eigenartiges Völkchen."
Weitere Fotos vom 24-Stundenlauf finden Sie in der
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